06
Jun
11

Gegenüber von Afrika.

Heimat haben ist gut,
Süß der Schlummer unter eigenem Dach,
Kinder, Garten und Hund. Aber ach,
Kaum hast du vom letzten, Wandern geruht,
Geht dir die Ferne mit neuer Verlockung nach.
Besser ist Heimweh leiden
Und unter den hohen Sternen allein
Mit seiner Sehnsucht sein.
Haben und rasten kann nur der,
Dessen Herz gelassen schlägt,
Während der Wandrer Mühsal und Reisebeschwer
In immer getäuschter Hoffnung trägt.
Leichter wahrlich ist alle Wanderqual,
Leichter als Friedefinden im Heimattal,
Wo in heimischer Freuden und Sorgen Kreis
Nur der Weise sein Glück zu bauen weiß.
Mir ist besser, zu suchen und nie zu finden,
Statt mich eng und warm an das Nahe zu binden,
Denn auch im Glücke kann ich auf Erden
Doch nur ein Gast und niemals ein Bürger werden.

[Hermann Hesse]

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08
Mrz
10

freuden des jungen werthers

Ein iunger Mensch ich weiss nicht wie
Starb einst an der Hypochondrie.
Und ward denn auch begraben.
Da kam ein schöner Geist herbey
Der hatte seinen Stuhlgang frey
Wie’s denn so Leute haben.
Der sezt nothdürftig sich auf’s Grab,
Und legte da sein Häuflein ab,
Beschaute freundlich seinen Dreck,
Ging wohl erathmet wieder weg,
und sprach zu sich bedächtiglich:
„Der gute Mensch wie hat er sich verdorben!
Hätt er geschissen so wie ich,
Er wäre nicht gestorben!“

– Johann Wolfgang Goethe

23
Aug
09

ich werde hier sein im sonnenschein und im schatten

26
Jul
09

Es kann die Ehre dieser Welt
  Dir keine Ehre geben,
Was dich in Wahrheit hebt und hält,
  Muss in dir selber leben.

Wenn’s deinem Innersten gebricht
  An echten Stolzes Stütze,
Ob dann die Welt dir Beifall spricht,
  Ist all dir wenig nütze.

Das flücht’ge Lob, des Tages Ruhm
  Magst du dem Eitlen gönnen;
Das aber sei dein Heiligtum:
  Vor dir bestehen können.

 

Theodor Fontane

26
Jul
09

Die Beiden

Sie trug den Becher in der Hand
– Ihr Kinn und Mund glich seinem Rand -,
So leicht und sicher war ihr Gang,
Kein Tropfen aus dem Becher sprang.

So leicht und fest war seine Hand:
Er ritt auf einem jungen Pferde,
Und mit nachlässiger Gebärde
Erzwang er, dass es zitternd stand.

Jedoch, wenn er aus ihrer Hand
Den leichten Becher nehmen sollte,
So war es beiden allzu schwer:

Denn beide bebten sie so sehr,
Dass keine Hand die andre fand
Und dunkler Wein am Boden rollte

 

Hugo von Hofmannsthal

15
Jul
09

Von der Liebe

 

 Dann sprich zu uns von der Liebe, sagte Almitra.

Er hob den Kopf und sah auf die Menschen, und Schweigen senkte sich über sie. Und er setzte mit lauter Stimme an:

 

„Wenn die Liebe euch ruft, folgt ihr,

Wenngleich ihre Wege steinig und steil sind.

Und wenn sie euch umfängt, ergebt euch,

Auch wenn das Schwert, das ihre Umarmung birgt, euch verwundet.

Glaubt ihr, wenn sie zu euch spricht,

Wenngleich ihre Stimme eure Träume zerschmettern mag wie der Nordwind, der den Garten verwüstet.

 

Denn ebenso, wie die Liebe euch krönt, so wird sie euch kreuzigen.

Sie fördert euer Wachstum, aber sie stutzt euch auch zurecht.

Wie sie sich bis zu euren Wipfeln hinaufschwingt und eure zartesten Zweige liebkost, die in der Sonne beben,

So steigt sie auch zu euren Wurzeln hinab und rüttelt sie, wo sie sich and den Boden klammern.

Wie Korngarben sammelt sie euch.

Sie drischt euch, um euch zu entblössen,

Sie siebt euch, um euch von der Spreu zu befreien,

Sie mahlt euch zu blütenweissem Staub.

Die Liebe knetet euch, bis ihr gefügig seid,

Und überantwortet euch dann ihrem heiligen Feuer, auf dass ihr heiliges Brot zu Gottes heiligem Festmahl werdet.

 

All dies tut die Liebe mit euch, damit ihr die Geheimnisse eures Herzens erkennt und in diesem Wissen Anteil am Herzen des Lebens selbst habt.

 

Aber wenn ihr aus Furcht vor der Liebe in ihr nur Frieden und Wollust sucht,

Dann solltet ihr eure Blösse bedecken und von der Dreschtenne der Liebe

In die Welt ohne Jahreszeiten ziehen, wo ihr lachen werdet, aber nicht aus vollem Herzen, und weinen, aber nicht aus tiefster Seele

 

 

Die Liebe gibt nichts als sich selbst und schöfpt nur aus sich selbst.

Sie strebt nicht nach Besitz, noch will sie selbst Besitz sein,

Denn die Liebe ist sich selbst genug.

 

Wenn ihr liebt, sollt ihr nicht sagen :>Gott ist in meinem Herzen<, sondern >ich bin im Herzen Gottes.<

Und glaubt nicht, ihr könntet den Lauf der Liebe lenken, denn wenn die Liebe euch für würdig erachtet, bestimmt sie euren Weg.

 

Die Liebe kennt keine andere Sehnsucht, als sich selbst zu erfüllen.

Doch wenn ihr liebt und das Wünschen nicht lassen könnt, dann strebt nach folgendem:

Dahinzuschmelzen und zu einem leise dahinplätschernden Bach zu weden, der in der Nacht sein Lied singt.

Den Schmerz übergrosser Zärtlichkeit zu erfahren.

Verwundet zu werden durch das Verstehen der Liebe

Und willig und freudig zu bluten.

Beim Morgengrauen mit beschwingtem Herzen zu erwachen und zu danken für einen weiteren Tag der Liebe,

Zur Mittagsstunde zu rasten und über die Verzükung der Liebe zu sinnen,

Des Abends voller Dankbarkeit heimzukehren,

Und dann zu schlummern, ein Gebet für das geliebte Wesen im Herzen und ein Loblied auf den Lippen.“

 

Khalil Gibran

Der Porphet

1923

12
Jul
09

Manche Bücher müssen gekostet werden,

manche verschlingt man,

und nur einige wenige kaut man

und verdaut sie ganz.

 

Cornelia Funke

Tintenherz




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