Warum soll im Leben
nicht nach Bier ich streben
warum soll im Leben ich nicht fröhlich sein?
Denn des Lebens Kürze
allerbeste Würze
sind ja Gerstensäfte und der Wein
Wenn die Auen grünen
und die Bächlein rinnen
wenn die Felder strotzen alle gerstenvoll,
wenn auf Hopfenstangen
duft’ge Blüten prangen
ei, wie wird’s mir da ums Herz so wohl!
Kann bei herben Zeiten
wohl den Wein auch meiden
wenn es nicht gebricht am edlen Gerstenbier;
kann ja alles dulden
scheue keine Schulden
leide gerne manchen Spott dafür
Möcht im Keller liegen
mich ans Bierfaß schmiegen
möcht die Kehle netzen
Vivat Bachus schrein!
Möchte mich berauschen
nicht mit Fürsten tauschen
und im Wahne selbst kein König sein
Jenen guten König
dem der Wein zu wenig
der aus Gerste hat das edle Bier gebraut
ihn nur will ich loben
dort im Himmel oben
wo des Nektars Fülle ihn umtaut
Wenn mich Kummer drücket
und das Schicksal tücket
wenn mich Amor fliehet und kein Mädchen liebt
In der Trinkerhalle
bei dem Bierpokale
bleibt mein Herz doch wenig ungetrübt!
Darum, traute Brüder
singet frohe Lieder
nehmt die vollen Gläser in die Hand und singt!
Lebt in Jubelfreuden
eh wir von hier scheiden
eh des Lebens goldne Sonne sinkt!
Volkslied (Schärli-Lied
)
Es kann die Ehre dieser Welt
Dir keine Ehre geben,
Was dich in Wahrheit hebt und hält,
Muss in dir selber leben.
Wenn’s deinem Innersten gebricht
An echten Stolzes Stütze,
Ob dann die Welt dir Beifall spricht,
Ist all dir wenig nütze.
Das flücht’ge Lob, des Tages Ruhm
Magst du dem Eitlen gönnen;
Das aber sei dein Heiligtum:
Vor dir bestehen können.
Theodor Fontane
Die Beiden
Sie trug den Becher in der Hand
- Ihr Kinn und Mund glich seinem Rand -,
So leicht und sicher war ihr Gang,
Kein Tropfen aus dem Becher sprang.
So leicht und fest war seine Hand:
Er ritt auf einem jungen Pferde,
Und mit nachlässiger Gebärde
Erzwang er, dass es zitternd stand.
Jedoch, wenn er aus ihrer Hand
Den leichten Becher nehmen sollte,
So war es beiden allzu schwer:
Denn beide bebten sie so sehr,
Dass keine Hand die andre fand
Und dunkler Wein am Boden rollte
Hugo von Hofmannsthal
Von der Liebe
Dann sprich zu uns von der Liebe, sagte Almitra.
Er hob den Kopf und sah auf die Menschen, und Schweigen senkte sich über sie. Und er setzte mit lauter Stimme an:
“Wenn die Liebe euch ruft, folgt ihr,
Wenngleich ihre Wege steinig und steil sind.
Und wenn sie euch umfängt, ergebt euch,
Auch wenn das Schwert, das ihre Umarmung birgt, euch verwundet.
Glaubt ihr, wenn sie zu euch spricht,
Wenngleich ihre Stimme eure Träume zerschmettern mag wie der Nordwind, der den Garten verwüstet.
Denn ebenso, wie die Liebe euch krönt, so wird sie euch kreuzigen.
Sie fördert euer Wachstum, aber sie stutzt euch auch zurecht.
Wie sie sich bis zu euren Wipfeln hinaufschwingt und eure zartesten Zweige liebkost, die in der Sonne beben,
So steigt sie auch zu euren Wurzeln hinab und rüttelt sie, wo sie sich and den Boden klammern.
Wie Korngarben sammelt sie euch.
Sie drischt euch, um euch zu entblössen,
Sie siebt euch, um euch von der Spreu zu befreien,
Sie mahlt euch zu blütenweissem Staub.
Die Liebe knetet euch, bis ihr gefügig seid,
Und überantwortet euch dann ihrem heiligen Feuer, auf dass ihr heiliges Brot zu Gottes heiligem Festmahl werdet.
All dies tut die Liebe mit euch, damit ihr die Geheimnisse eures Herzens erkennt und in diesem Wissen Anteil am Herzen des Lebens selbst habt.
Aber wenn ihr aus Furcht vor der Liebe in ihr nur Frieden und Wollust sucht,
Dann solltet ihr eure Blösse bedecken und von der Dreschtenne der Liebe
In die Welt ohne Jahreszeiten ziehen, wo ihr lachen werdet, aber nicht aus vollem Herzen, und weinen, aber nicht aus tiefster Seele
Die Liebe gibt nichts als sich selbst und schöfpt nur aus sich selbst.
Sie strebt nicht nach Besitz, noch will sie selbst Besitz sein,
Denn die Liebe ist sich selbst genug.
Wenn ihr liebt, sollt ihr nicht sagen :>Gott ist in meinem Herzen<, sondern >ich bin im Herzen Gottes.<
Und glaubt nicht, ihr könntet den Lauf der Liebe lenken, denn wenn die Liebe euch für würdig erachtet, bestimmt sie euren Weg.
Die Liebe kennt keine andere Sehnsucht, als sich selbst zu erfüllen.
Doch wenn ihr liebt und das Wünschen nicht lassen könnt, dann strebt nach folgendem:
Dahinzuschmelzen und zu einem leise dahinplätschernden Bach zu weden, der in der Nacht sein Lied singt.
Den Schmerz übergrosser Zärtlichkeit zu erfahren.
Verwundet zu werden durch das Verstehen der Liebe
Und willig und freudig zu bluten.
Beim Morgengrauen mit beschwingtem Herzen zu erwachen und zu danken für einen weiteren Tag der Liebe,
Zur Mittagsstunde zu rasten und über die Verzükung der Liebe zu sinnen,
Des Abends voller Dankbarkeit heimzukehren,
Und dann zu schlummern, ein Gebet für das geliebte Wesen im Herzen und ein Loblied auf den Lippen.”
Khalil Gibran
Der Porphet
1923
Manche Bücher müssen gekostet werden,
manche verschlingt man,
und nur einige wenige kaut man
und verdaut sie ganz.
Cornelia Funke
Tintenherz
Monsters

Salvador Dalì, 1937
Es war eine eigene Lust, zu sehen, wie etwas verzehrt wurde,
wie es schwarz und zu etwas anderem wurde.
Ray Bradbury
Fahrenheit 451
1953
Dann sprach Almitra abermals und sagte:
»Und was ist mit der Ehe, Meister?«
Und er antwortete und sprach:
Ihr wurdet zusammen geboren,
und ihr werdet auf immer zusammen sein.
Ihr werdet zusammen sein,
wenn die weißen Flügel des Todes
eure Tage scheiden.
Ja, ihr werdet selbst im stummen
Gedenken Gottes zusammen sein.
Aber lasst Raum zwischen euch.
Lasst die Winde des Himmels
zwischen euch tanzen.
Liebt einander, aber macht
die Liebe nicht zur Fessel:
lasst sie eher ein wogendes Meer
zwischen den Ufern eurer Seelen sein.
Füllt einander den Becher,
aber trinkt nicht aus einem Becher.
Gebt einander von eurem Brot,
aber esst nicht vom selben Laib.
Singt und tanzt zusammen und seid fröhlich,
aber lasst jeden von euch allein sein,
so wie die Saiten einer Laute allein sind
und doch von derselben Musik erzittern.
Gebt einander eure Herzen,
aber nicht in des anderen Obhut,
denn nur die Hand des Lebens
kann eure Herzen umfassen.
Und steht zusammen, doch nicht zu nah:
denn die Säulen des Tempels stehen für sich,
und Eichbaum und Zypresse
wachsen nicht im Schatten des anderen.
Khalil Gibran
Der Prophet
1923
blut
Komm wir schauen wie Blut fließt
Liebste
Dies eine Mal im Leben
Ist es nicht Menschenblut das fließt
Dies eine Mal auf der Straße
ist es nicht Tierblut das fließt
Komm wir schauen wie Blut fließt
Liebste
Es ist die Sonne die untergeht.
- Georges Castera
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